Das Kreuz an der Straße erinnert an einen Mord 1825
Sternberg (hf). Flurkreuze gehören zur fränkischen Landschaft. Meist findet man dort einen religiösen Spruch und meistens auch Datum und Namen derjenigen, die es errichtet haben. Selten erinnern Flurkreuze an einen Mord, der an dieser Stelle geschehen ist. Bekannter sind große, meist unbehauen sogenannte Sühnekreuze. Ganz anders ist das an der Straße von Obereßfeld nach Sternberg. Dort findet man an der Seite in Stein gemeißelt eine liegende Person und den Ansatz eines Gewehrs. Darüber findet man nähere Informationen.
Zu lesen ist dort: Hier wurde am 21. Dezember 1825 Nacht 11 Uhr der Pächter zu Sternberg Johann Dusel, geb. zu Zeilitzheim, durch einen Jägerschuß ermordet. Fragt man Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert zu diesem Vorfall kennt er aus seinen historischen Unterlagen den Hintergrund, der zu diesem Mord führte. Danach war der Pächter des Sternberger Schlossgutes auf dem Rückweg vom Christmarkt in Königshofen. An der Stelle, an der das Kreuz steht, traf er einen seiner Knechte, mit dem er oft im Streit lag. Dieser erschoss ihn und ließ die Leiche im Straßengraben liegen.
Dass dies keine Legende ist, zeigt ein Eintrag im Matrikelbuch der Pfarrei Sternberg. Dort ist unter dem „Sterbefall Johann Dusel“ vermerkt, dass der Ermordete aus Zeilitzheim stammte und Pächter des Schlossguts Hummelstatt in Sternberg war. Er war 44 Jahre alt und verheiratet. Reinhold Albert: Als Todesursache ist vermerkt, er sei „meuchelmörderischer Weise“ um 12 Uhr nachts erschossen worden und man fand ihn tot am „Königshofer Weg, „eine viertel Stunde von hier“. Der Amtsarzt des Bezirksamts Königshofen Dr. Schmitt und der Landgerichts-Aktuar Johann Wilhelm Rost begutachteten den Leichnam im Auftrag des Gerichtsbezirks Königshofen. Der Knecht floh damals und wurde nie gefunden wurde.
Berichtet wird, dass nach einigen Jahren, wahrscheinlich als der Mörder selbst gestorben war, sich oft, meist in der Adventszeit, in der Nähe des Steinernen Kreuzes ein Lichtlein zeigte. Es begleitete nächtliche Wanderer auf ihrem Weg. Die dem Kreisheimatpfleger vorliegenden Unterlagen berichten, dass vielen Leuten von Sternberg und Zimmerau auf dem Heimweg von Königshofen dieses Lichtlein begegnete. Zu lesen ist auch, dass sie meist beim „Reußen Beck“, dem späteren Gasthaus Mangold in der heutigen Rathausstraße eingekehrt waren.
Als einmal ein Bauer aus Zimmerau mit seinem Fuhrwerk von Königshofen heimfuhr, schwebte das Lichtlein an seiner Seite bis zum Ortseingang Sternberg. Es verschwand dann kurz und war am Ortsausgang Richtung Zimmerau wieder da. Daraufhin fluchte der Bauer. Plötzlich habe er eine Ohrfeige bekommen, woraufhin das Lichtlein nicht mehr gesehen wurde. Reinhold Albert: „Die Geschichte ist noch nicht zu Ende, denn es wird berichtet, dass Wanderer ab und zu am Kreuz von einem schwarzen Hund bis nach Sternberg begleitet wurden.
Eine weitere Legende aus Obereßfeld weiß von einem Wilderer, der in den Wäldern um Sternberg sein Unwesen trieb. Ein junger Jäger kam ihm auf die Spur und erhielt vom Gericht in Königshofen den Auftrag, den Mann einzufangen. „Als der Jäger dem Wilderer nahe war, schoss dieser plötzlich auf ihn und der Waidmann fiel tot zu Boden.“ Zur Erinnerung an diese ruchlose Tat sei das Kreuz errichtet worden. Das Sühnedenkmal von 1825 wurde erst 1906 um den Christuskorpus ergänzt. In den Jahren danach wurde das unter Denkmalschutz stehende Kreuz immer wieder durch Stürme zerstört, letztmals 1993. Nachdem nun die Schrift vermoost und kaum leserlich war haben Reinhold Albert mit seiner Frau Marianne, das Moos entfernt. Andreas Scholz aus Sternberg will noch die Beschriftung erneuern.

Das Flurkreuz an der Straße von Obereßfeld nach Sternberg hat eine besondere Geschichte. Hier geschah nämlich ein Mord im Jahr 1825. Foto: Hanns Friedrich
Eingemeißelt ist die Tat, die hier vor 200 Jahren geschah, als ein Jäger von einem Knecht erschossen wurde. Foto: Hanns Friedrich



