Journalist, Museums-Mensch und Kultur-Kenner: Dem Tausendsassa mit großer Heimatliebe wurde große Ehre zuteil. Warum sie das Bundesverdienstkreuz toppt.
The Winner takes it all“, der ABBA-Klassiker ertönte im Rathaussaal in einer Klavierversion aus den Händen der Musikschülerin Maja Müller. Das Stück passte perfekt zu diesem Dienstagabend in Bad Königshofen. Nicht, weil die Person des Abends ein typischer Gewinnertyp wäre, zu dem man vielleicht neidisch aufblickt. Es ging um einen Menschen von gewinnender Art, der vor allem andere gewinnen konnte und noch immer kann: für die Erinnerung an vergessene Künstler, für die eigene Geschichte der Region, für den Wert der Heimat Grabfeld oder die Vielfalt des ganzen Landkreises.
In diesem Sinne ist Hanns Friedrich, der Geschichten-Aufschreiber und Geschichtsschreiber des Grabfelds, tatsächlich ein Gewinner. Mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde am Dienstagabend im Rathaussaal durch den stellvertretenden Bürgermeisters Roland Köth wurde sein vielfältiges Wirken gekrönt. „Wenn ich ehrlich bin. Die Ehrenbürgerwürde bedeutet mir noch etwas mehr als das Bundesverdienstkreuz“, formulierte es Friedrich in seinen Dankesworten. Ein Grabfelder und Bad Königshöfer vom Schlage des Geehrten kann nicht anders, als diese Reihenfolge zu wählen.
Roland Köth hatte nicht nur extra die Kette des stellvertretenden Bürgermeisters umgelegt. Auch Landrat Thomas Habermann spürte, dass im Rathaussaal von Bad Königshofen der Atem einer langen Stadtgeschichte weht. Dafür hätten die Bad Königshöfer bis heute ein feines Gespür, so der Landrat. Er freute sich auch, dass mit den Altbürgermeistern Wolfgang Mack und Clemens Behr sowie Professor Ernst Oestreicher die drei weiteren lebenden Ehrenbürger der Stadt anwesend waren.
Bürgermeister Roland Köth listete die wichtigsten von Friedrichs „immensen Verdienste um seine Heimat“ auf. Am Fronleichnamstag 1947 geboren, wuchs er in der Schlundstraße von Bad Königshofen auf und absolvierte eine Ausbildung zum Baustoffgroßhandelskaufmann.
Nach einigen Jahren Arbeit in der Kurverwaltung konnte Hanns Friedrich in der Medienwelt Fuß fassen, die ihn schon von Jugend an begeisterte. 1970 startete er den Krankenhausfunk des Kreiskrankenhauses in Bad Königshofen mit Sonntags-Gottesdiensten und Wunschkonzerten. Dabei führte er Interviews mit Ministerpräsident Alfons Goppel oder talkte mit Musikstars wie Heino, Roy Black oder Bata Ilic.
Karriere beim Rundfunk und der Heimatzeitung
Als 1977 die „Welle Mainfranken“ des Bayerischen Rundfunks“ kam, startete Hanns Friedrichs Medien-Karriere als Rundfunk-Korrespondent. In 35 Jahren bis 2012 produzierte der Bad Königshöfer viele Hundert Beiträge, Reportagen und Live-Sendungen. Brauchtum im Grabfeld, das Rebellendorf Ermershausen, die Bundeswehr, der Heilwassersee oder der Fall der Mauer: Hanns Friedrich hat seine Themen praktisch vor der Haustür gefunden.
Kein Wunder, dass auch die Heimatzeitung „Bote vom Grabfeld“ die journalistische Kompetenz von Hanns Friedrich nutzen wollte. Ab 1981 war er für neun Jahre dort Redakteur. Bis heute ist Hanns Friedrich als freier Mitarbeiter bei Main-Post und Rhön- und Saalepost unterwegs. Vor allem als Blaulicht-Reporter ist er bei nächtlichen Unfällen oder bei einem Brandgeschehen ein unerlässlicher Unterstützer der Redaktionsarbeit. In seiner Laudatio zitierte Roland Köth ein Bonmot des Reporter-Kollegen Helmut Glauch, der einmal vom „Hanns-Dampf in allen Gassen“ sprach.
Auch als Filmemacher war und ist Friedrich aktiv. Er hat die Städtepartnerschaft zu Arlington auf Film gebannt, das Jubiläum 1250 Jahre Bad Königshofen oder die Deutsche Teilung. Die Schönheiten seiner Grabfelder Heimat hat er ebenso in Buchform festgehalten.
Seit 1990 ist Hanns Friedrich Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte, seit 1991 ist er Kulturreferent des Landkreises, viele Jahre war er Mitglied der Museumsfachkommission des Bezirks Unterfranken. Die Wiederbelebung der Städtepartnerschaft zu Arlington ist maßgeblich ihm zu verdanken, die Autobahnkirche am Thüringer Tor ist dem Geehrten ein besonderes Anliegen.
„Du setzt dich seit deiner Jugend für deine Heimatstadt und Bürger in überragender Art und Weise ein“, sprach Roland Köth den Geehrten direkt an. „Du begleitest das kulturelle Leben im ganzen Landkreis seit Jahrzehnten“, ergänzte der Laudator. „Dafür gebührt dir höchste Anerkennung und tiefer Dank“, sagte Köth, überreichte die Urkunde und lud zum Eintrag ins goldene Buch. Von Landrat Thomas Habermann gab es dazu eine herzliche Umarmung.
Mit Feuerwehr und Rettungsdiensten tief verbunden
Der Geehrte selbst freute sich, dass seine Auszeichnung mit der Ehrung für verdiente Feuerwehrkräfte zusammenfiel: „Feuerwehr, das passt zu mir!“ Zwei berühmte Zitate seien sein Lebensmotto. Das eine ist das berühmte Kennedy-Wort vom Einsatz für das Land, das andere ein Ausspruch von Papst Johannes XXIII, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.
Autor: Gerhard Fischer

Große Ehre: Für seine Verdienste um die Stadt Bad Königshofen und die ganze Region wurde Hanns Friedrich (links) die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen. Das Dokument dazu überreichte stellvertretender Bürgermeister Roland Köth bei einem Festakt im Rathaussaal. Foto: Gerhard Fischer

Der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt durfte nicht fehlen. Foto: Gerhard Fischer

Ehrenbürger unter sich: Landrat Thomas Habermann (links) und stellvertretender Bürgermeister Roland Köth (rechts) rahmten die Ehrenbürger Professor Ernst Oestreicher, Wolfgang Mack, Hanns Friedrich und Clemens Behr ein. Foto: Gerhard Fischer
