Ortschronik Kleinbardorf

Sachkundige Informationen zur 6000-jährigen Dorfgeschichte
Eine Chronik, die mit sehr viel Herzblut erstellt wurde

Kleinbardorf (hf). Im Dorfgemeinschaftshaus Kleinbardorf stellte Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert seine 35. Ortschronik vor. Ihm gelang es dabei die Gäste in seinen Bann zu schlagen. In kurzweiligen Informationen fasste der Autor die vergangenen 6.000 Jahre des Grabfelddorfes zusammen und berichtete von interessanten Begebenheiten, von Persönlichkeiten und von den Menschen, die Kleinbardorf bis heute prägten. Ein kurzweiliger Vortrag mit vielen geschichtlichen Einzelheiten, die so machen erstaunte. „Das hätte ich nicht erwartet…. Soviel Geschichte im Dorfleben… da zeigt sich das erstaunliche Hintergrundwissen des Autors,“ sagte Gäste des Abends.

So war für viele klar: Das Buch ist nicht nur ein wunderbares Weihnachtsgeschenk, sondern ein fundiertes Nachschlagewerk über unser Dorf und seine Geschichte. Das stellte denn auch Bürgermeister Jürgen Heusinger heraus. Sein Lob galt nicht nur Reinhold Albert, sondern vor allem auch den Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die mit dazu beigetragen haben, dass der Autor die notwendigen Informationen und vor allem viel Bildmaterial bekam. Ohne diese Mithilfe aller sei ansonsten solch ein umfangreiches Werk nicht in dem Ausmaß möglich gewesen. Das unterstrich Reinhold Albert bei der Präsentation seiner 35. Chronik (wir berichteten), bei der er sein umfangreiches Wissen einfließen ließ.

Dies zeigte sich vor allem in den zahlreiche geschichtlichen Daten, die er vortrug, wobei es ihm gelang, die Besonderheiten heraus zu stellen. Stellvertretender Landrat Josef Demar erwähnte die geschichtlich wertvollen Beiträge. „Ich bin mir fast sicher, dass einige das Buch heute noch durchblättern und den Fernseher dafür nicht anschalten.“ Von wertvollen Beiträgen sprach Josef Demar. Die akribische Arbeit von Reinhold Albert für das gesamte Grabfeld und den gesamten Landkreis könne nicht hoch genug gewürdigt werden. „Diese Chronik wurde mit viele Herzblut erstellt.“ Dank galt dem Gemeinderat, der die Finanzierung übernommen hat in dem Bewusstsein, dass es wichtig sei die Dorfgeschichte aufzuarbeiten.

„Nirgendwo im Landkreis erfahre ich soviel Geschichte, wie hier im Grabfeld,“ sagte der ehemalige Landtagspräsident Hans Böhm. Dabei nannte er neben der Chronik das jährlich erscheinende Heimatblatt „Das Grabfeld“ des Vereins für Heimatgeschichte. Der Blick zurück in die Geschichte sei wichtig, gerade in der heutigen Zeit, in der es den Menschen sehr gut geht und die oft schwere Vergangenheit eines Ortes in den Hintergrund gedrängt wird. Wichtig nannte es Hans Böhm, eine Zukunft zu schaffen, für das die Enkel und Urenkel dankbar sein werden. Dazu sei es jedoch wichtig, sich die Geschichte bewußt zu machen und genau das sei die neue Ortschronik von Kleinbardorf.

Bürgermeister Jürgen Heusinger sagte dazu, dass viele in einem Arbeitsteam zusammengearbeitet haben. Eingebunden waren auch die Vereinsvorstände der Gemeinde aber auch viele Kleinbardorfer, die aus ihren Erinnerungen mit dazu beitrugen, dass eine Ortschronik entstanden ist, die nicht nur umfangreich ist, sondern vor allem auch inhaltlich hervorragend gestaltet ist. Das alles habe Autor Reinhold Albert hervorragend zusammengefasst.

Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert zog bei seiner Buchvorstellung zur Ortschronik von Kleinbardorf die Gäste in seinen Bann. Foto: Hanns Friedrich

Der ehemalige Landtagspräsident Hans Böhm nannte die neue Ortschronik von Kleinbardorf ein wichtiges Werk für die nachfolgenden Generationen. Foto: Hanns Friedrich

Im Dorfgemeinschaftshaus von Kleinbardorf wurde die neue Ortschronik vorgestellt. Unser Bild zeigt von links Bürgermeister Jürgen Heusinger, den ehemaligen Landtagspräsident Hans Böhm, Reinhold und Marianne Albert, Andre Storath, Harald Stirzel, Gemeinderäte aus Kleinbardorf und den stellvertretenden Landrat Josef Demar. Foto: Hanns Friedrich

Reinhold Albert und seine Fable für die Heimatgeschichte
Kleinbardorfer ist die 35. Chronik und eine Jubiläumsausgabe

Sternberg (hf). Im Untergeschoß seines Wohnhauses hat Reinhold Albert sein Büro. In den Schränken finden sich sämtliche geschichtlich-historischen Unterlagen ebenso wie seine bisher veröffentlichten Bücher und Schriften. Im Gespräch mit dieser Redaktion nennt er 35 Chroniken von 47 Gemeindeteilen vom Oberweißenbrunn in der Rhön bis ins Grabfeld und Streufdorf in Thüringen, im Heldburger Unterland. Hinzu kommen Bücher über Burgen und Schlösser, Kirchen, Brauchtum, Kriegsende, Geschichte der Juden, Grenzgeschichte, Flurnamen und 19 sonstige Schriften. Hier geht es um den Weinbau, das Tuchmachergewerbe, die Wallfahrtskirchen Findelberg und Kreuzberg, die Schranne und unter anderem auch die Geschichte des Kapuzinerklosters Bad Königshofen.

Herr Albert, das ist ein enormes Pensum, das sich hier in mehr als 40 Jahren angesammelt hat. Wie kam es eigentlich dazu?

Reinhold Albert:
Schon als Kind fesselte mich die Geschichte von Schloß Sternberg in meinem Heimatdorf. Der erste größeren Aufsatz war dann auch die Geschichte dieses Schlosses in den Heimatblättern Rhön-Grabfelds 1981. Mit Unterstützung des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld habe ich 1990 mein erstes Buch „Die Geschichte der Juden im Grabfeld“ herausgebracht. Bereits vier Jahre später folgte meine erste Gemeindechronik, und zwar von meiner Heimatgemeinde Sulzdorf an der Lederhecke mit den fünf Ortsteilen. Vor 20 Jahren übertrug mir der Landkreis Rhön-Grabfeld die Aufgabe des Schriftleiters für das Heimatjahrbuch. Damit trat ich die Nachfolge von Josef Kuhn aus Burgwallbach an. Außerdem bin ich Schriftleiter des Heimatblatts „Das Grabfeld“ des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld. Über 700 Titel meiner Aufsätze etc. sind zudem in der im Internet abrufbaren Bayerischen Bibliographie verzeichnet.

Was fasziniert Sie persönlich an Ortschroniken, speziell an der von Kleinbardorf?

Reinhold Albert:
Es ist wichtig, dass das Wissen der gegenwärtigen Generation für künftige Generationen festgehalten wird. Dazu folgendes Zitat: Wenn die Weltgeschichte groß dahin schreitet, ist es die Lokalgeschichte, die aus Einzelnen und Kleinen das Bild webt, das die großen weltgeschichtlichen Ereignisse belebt und erklärt. Zunächst einmal ist es wichtig, historische Unterlagen zu sammeln und aufzubewahren. Es kann nicht sein, wie bereits mehrfach geschehen, dass historisches Material dem Reißwolf übergeben wird bzw. im Altpapier landet oder achtlos entsorgt wird.

Ich kann mir vorstellen, dass in einer Chronik nicht nur viel Zeit steckt, sondern auch entsprechende Unterlagen durchforstet werden müssen

Reinhold Albert:
Das ist korrekt, denn eine intensive Archivarbeit, sowie das jahrzehntelange Sammeln entsprechender Unterlagen sind Voraussetzung. In der Regel ist da ein Jahr keine Seltenheit. Vor allem aber bin ich auf die Unterstützung der Bevölkerung und örtlicher Heimatgeschichtsfreunde angewiesen. Mit eingebunden ist aber auch meine Frau Marianne, die viele Schreib- und Korrekturarbeiten übernimmt. Auch unsere drei Kinder mussten viel Verständnis für die Leidenschaft ihres Vaters aufbringen.

Wenn wir jetzt einmal konkret auf das Jubiläumswerk „Die Chronik von Kleinbardorf“ Welche historischen Entwicklungen prägten Kleinbardorf?

Reinhold Albert:
Kleinbardorf hat zwar nur etwas über 300 Einwohner, ist aber eines der heimatgeschichtlich interessantesten Orte unseres Landkreises. Hier steht nicht nur eines der malerischten Wasserschlösser Frankens, sondern es hat auch eine der schönsten Pfarrkirchen in weitem Umkreis. Geplant hat sie der berühmte Joseph Greising und ausgemalt wurde sie von unserem „Grabfeldmaler“ Johann Peter Herrlein. Hinzu kommt der jüdische Friedhof am Judenhügel oberhalb Kleinbardorfs, der zweitgrößte jüdische Friedhof Bayerns. Damit einhergehend hat das Dorf eine wirklich spannende Geschichte der jüdischen Gemeinde. Kleinbardorf kann sich zudem mit den vorgeschichtlichen Funden rühmen, bereits seit 7000 Jahren ein interessanter Siedlungsgrund zu sein.

Welche Informationen findet man in der Kleinbardorfer Chronik?

Reinhold Albert:
Neben der sehr spannenden Dorfgeschichte von der Vorzeit bis in die Gegenwart werden unter anderem die Denkmäler, Sagen und örtliche Persönlichkeiten vorgestellt. Zahlreiche Erzählungen berichten vom Leben in alter Zeit. Volkskundliches, wie das örtliche Brauchtum oder die Kleinbardorfer Tracht finden in Wort und Bild ebenso Erwähnung wie alle Ortsvereine. Auswerten konnte ich eine umfangreiche Text- und Bildersammlung des ehemaligen Dorfschullehrers Otto Mölter ebenso wie Fotografien des von 1909 bis 1951 in Kleinbardorf wirkenden Pfarrers Dr. Hugo Paulus. Von großer Bedeutung ist aber auch die Unterstützung der Ortsbevölkerung. Diese müssen bereit sein mitzuhelfen, zu sammeln, Tipps und Ratschläge zu geben und vieles mehr.

Jetzt fragt man sich, ob denn schrifliche Werke, wie eben solche Chroniken im Zeitalter der Digitalisierung noch zeitgemäß sind. Wie sehen Sie das?

Reinhold Albert:

Ein Buch ist ein Buch! Und was die Qualität von Bildern betrifft, ist der Buchdruck unschlagbar. Es spricht nichts dagegen, dass man dann ein Buch zusätzlich als e-book anbietet. Aber an erster Stelle muss das gedruckte Buch stehen.

Welche Rolle könnte die Digitalisierung für die Bewahrung von Lokalgeschichte spielen?

Reinhold Albert:
Sie ist mittlerweile ein wichtiger Bestandteil geworden. So zum Beispiel bei einer Sammlung historischer Fotografien. Nicht zu vergessen historische Urkunden in den Stadt- und Gemeindearchiven. Sind sie digitalisiert, müssen sie nicht ständig dem Archiv entnommen werden und sind geschont. Eine große Erleichterung ist natürlich, dass mittlerweile zahlreiche grundlegende Werke im Internet abgerufen werden können und man nicht wegen ein, zwei Büchern extra nach Würzburg ins Archiv oder zur Uni-Bibliothek fahren muss. Ein weiterer Vorteil: Man kann im Internet zum Beispiel recherchieren, welche Bestände in den Staatsarchiven vorhanden sind.

Welche persönlichen Momente oder Begegnungen sind Ihnen während der Arbeit an der Kleinbardorf-Chronik besonders im Gedächtnis geblieben?

Reinhold Albert:
Da denke ich zum Beispiel an den Kontakt mit Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen, der einen Teil seiner Kindheit in Kleinbardorf verlebte. Spannend auch die Begegnung mit Juden, deren Wurzeln in Kleinbardorf liegen. Sehr aktiv haben mich die Gemeinderäte Harald Stirtzel und Andre Storath sowie Reinhold Heppt und Bürgermeister Jürgen Heusinger unterstützt.

Haben Sie bereits Pläne für weitere Chroniken oder Projekte?

Es gäbe da sicher noch die eine oder andere Gemeinde, für die ich gerne eine Chronik verfassen würde, jedoch nicht ausschließlich digital, wie von einer Gemeinde gewünscht und was ich abgelehnt habe. Als Nächstes werde ich mich mit den mehr als tausend Sagen und Legenden aus unserem Landkreises Rhön-Grabfeld befassen und dies in einem Buch heraus bringen.

Sind junge Leute für die historische Geschichte ihres Ortes zu begeistern?

Reinhold Albert:

Ich denke schon. Wenn sie sich zum Beispiel in eine Ortschronik hineinlesen und so auch Interesse an der Geschichte ihres Ortes bekommen. Es ist einfach spannend, wie sich unsere Dörfer und Städte innerhalb von zwei, drei Generationen verändern. Ein Beispiel: Ich erzähle meinen beiden Frankfurter Enkeln, wenn sie zu Besuch sind, vor dem Schlafengehen immer Erlebnisse aus meiner Kindheit und Jugend auf unserem Bauernhof in unserem kleinen Dörfchen in den 1950er und 1960er Jahren. Die Kinder sind immer so begeistert, dass ich die gleichen Geschichten immer und immer wieder zum Besten geben muss. Eines Tages sagte unsere Tochter: Schreibe das doch alles einmal auf, das ist so interessant. Gesagt, getan – und so entstand für meine Familie ein über 200 Seiten umfassendes reich bebildertes Buch, in dem ich meine Erlebnisse aus meiner Kindheit und Jugendzeit bis zur Schulentlassung schildere. Ein wichtiges Zeitzeugnis für nachfolgende Generationen.